60aufwärts

Demenz Teil 2: Verhaltensauffälligkeiten, Herausforderungen

Die Referentin, Frau Nadja Wamser, diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, wartete mit eindrucksvollen Details aus der Arbeit bzw. Pflege von an Demenz erkrankten Menschen auf. In NÖ gibt es ca. 44.000 Menschen mit Demenz, die zu etwa 80% von Familienangehörigen rund um die Uhr gepflegt werden – eine große Herausforderung! Orientierungsprobleme, Vergessen alltäglicher Tätigkeiten, Vernachlässigung der alltäglichen Körperpflege, Verhaltensauffälligkeiten, Probleme bei der Durchführung gewohnter Tätigkeiten (z.B. Essen zubereiten für 10 Personen!). Gesinnungsschwankungen, etc. verändern ein Leben total! Diese Lebensveränderung bringt oft Aggressivität mit sich, Nachlassen des Gedächtnisses, Probleme bei der Durchführung gewohnter Tätigkeiten, Vergessen von Alltagsdingen wie Körperpflege, u.ä. Dieser Fülle von Problemen stehen pflegende Angehörige gegenüber. Das Herausfallen aus dem Alltag ist in allen Phasen der Erkrankung möglich: Diebstahltrauma, wenn Dinge verlegt werden, daraus entstehen Konflikte mit Pflegenden! Hinter Auffälligkeiten verstecken sich oft Bedürfnisse - nicht leicht erkennbar.
Aus Ängsten und Unsicherheit der Betroffenen entsteht oft Schimpfen oder „rauhe“ Sprache, das muss man als Pflegender erst einmal begreifen und verstehen! Auch Hunger, Schmerz, Trauer sind oft darunter versteckt. Dem Pflegenden hilft da einfach Humor, der mit Leichtigkeit schwierige Situationen überspielen kann und nicht zu Ärger oder Verdruss führt. Dinge nicht mehr zu können, Aufgaben wegzunehmen, Erinnerungen, die verlorengehen, führen zu Trauer und Angst, „ziehen die Seele zusammen“!
Der Verlauf der Erkrankung ist unterschiedlich und hängt nicht von der Intelligenz des Betroffenen ab. Eine frühestmöglich ärztliche Diagnose ist für die Behandlung sinnvoll und hilfreich. Betreuende Angehörige haben grundsätzlich einen guten Zugang zum Erkrankten durch lebenslange Verbundenheit, Dankbarkeit, Loyalität, Familientradition. Allerdings erfordert die Pflege außerordentliches Einfühlungsvermögen und Verständnis, dass der Angehörige jetzt nicht mehr wie früher ansprechbar ist, bzw. reagiert. Durch das Nachlassen der Körperkraft des Patienten ist von Seiten der Pflege erhöhte Beanspruchung und Körperkraft erforderlich. Das erfordert auch sehr viel Einfühlungsvermögen für pflegende Angehörige und vor allem Durchhaltevermögen. Hier gibt es Möglichkeiten für geplante Auszeiten für Pflegende z.B. Inanspruchnahme der Hauskrankenpflege. Bei Überforderung der Pflegenden rechtzeitig Auswege suchen: Gelassenheit üben, gemeinsam Lieder singen, die der/die Erkrankten(n) von früher kennen, somit den Zusammenhalt erleichtern! Jedenfalls ist die eigene Kraft zu dosieren und Unterstützung zurückzunehmen, wenn einem alles zu viel wird. Humor ist auf jeden Fall das beste Mittel, Frustrationen zu überbrücken, wenn der „Patient“ störrisch, zornig oder lästig ist und den „Anweisungen“ des/der Pflegenden nicht Folge leistet. Man darf nie glauben, dass man/frau etwas, das der Patient sagt, korrigieren könnte. Das nützt nichts und frustriert nur.
Achtsamkeit und Einfühlungsvermögen, sowie ein Verständnis dafür zu erringen, dass der Mensch, den man ein Leben lang kennt, nun ganz anders reagiert als früher, fällt schwer. Man muss sich diese Fähigkeiten erst „erarbeiten“! Wenn das mit der Zeit möglich wird, kann selbst ein anscheinend aussichtsloser Zustand wie Demenz ein menschenwürdiges Leben ermöglichen.

Weitere Beiträge:

  • Sturzprävention mit ÖGK Gesundheitstrinerin Andrea Mutschlechner

    Achtung Sturzgefahr 26. Februar 2026
    30 Personen hatten sich im Veranstaltungsraum eingefunden und harrten neugierig der Dinge, die mit ihnen passieren würden. Der Raum war prall gefüllt mit Erwartungen.
    Diese Erwartungen wurden in den nächsten eineinhalb Stunden bei weitem übertroffen. Schwitzend und teilweise außer Atem wurden wir in die Welt der Übungen für einen gesunden und stabilen Körper eingeführt. Abwechslungsreich und mit großem Engagement wurden wir von Frau Andrea Mutschlechner in sehr sinnvolle und einfache Bewegungen eingeführt. Diese Bewegungen ermöglichen uns, den mit fortschreitendem Alter auftretenden Verlust der Muskelmasse wenigstens zum Teil auszugleichen und dadurch Stürze zu verhindern.
    Zu jeder Tages- und Nachtzeit können wir kleine Übungen in unsere Bewegungsabläufe einbauen, ohne eine eigene Turnstunde dazu zu benötigen. Ein Beispiel: Beim Zähneputzen am Morgen ein Bein anheben.
    Viele Stürze sind eine Folge von Medikamenten, die einen Drehschwindel erzeugen können (mit Ärztin oder Arzt absprechen!)
    Sollten wir doch einmal stürzen, so haben wir durch eine einfache Übung mit einem Sessel von Frau Mutschlechner gelernt ohne fremde Hilfe aufzustehen. Eine Teilnehmerin hat die Übung erfolgreich vorgeführt, der Rest wollte sich vermutlich nicht vor der ganzen Schar der Teilnehmer:innen blamieren. Wir haben in diesem intensiven Kurs gelernt, dass Nichtstun unsere Bewegung behindert und verschlechtert.
    Die Begeisterung der Teilnehmer war sehr groß und dankbar haben wie diese fulminanten eineinhalb Stunden genossen.
    Jedenfalls war es der Wunsch zahlreicher Teilnehmer, Frau Mutschlechner im Herbst wieder einzuladen.

  • Aktuell Themen aus der Pulmologie - Dr. Wildner

    Ein Abend mit Lungenfacharzt Dr. Christoph Wildner
    Dr. Wildner betonte, wie wichtig für jeden Menschen eine Lungenfunktionskontrolle sei.
    Meist erfolgt eine Zuweisung des praktischen Arztes, man kann aber auch, besonders im fortgeschrittenen Alter, von sich aus den Lungenfacharzt aufsuchen. Wichtig wäre, nicht zu warten bis man Atemprobleme bekommt, sondern regelmäßig (einmal pro Jahr!) den Lungenfacharzt für eine Lungenfunktionskontrolle aufzusuchen. So kann man rechtzeitig Probleme mit der Lunge in den Griff bekommen.
    Durch derartige regelmäßige Kontrollen kann z.B. auchTuberkulose rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Tuberkulose ist eine Krankheit, die lange ohne Symptome und nicht zu spüren ist. Am ehesten ist auf Husten, Nachtschweiß und Gewichtsverlust zu achten. Auch nützen Antibiotika kaum etwas. Durch Corona wurde Tuberkulose auch verstärkt. Tuberkulose wird vor allem bei Menschen beobachtet, die in engen Räumen leben, schwierige soziale Verhältnisse haben und eventuell auch noch Alkoholprobleme. Bei uns in Österreich tritt Tuberkulose selten auf und ist meldepflichtig, um Ausbreitung zu verhindern, verbunden mit Bemühungen jenen Menschen zu finden, von dem die Erkrankung ausgegangen ist.
    Dr. Wildner berichtet dass so verborgene Erkrankungen wie Tuberkulose bei jungen Männern durch die Untersuchung bei der Stellungskommission für das Bundesheer entdeckt werden und er vermisst eine ähnliche Untersuchung für junge Frauen.
    Asthma ist lange nicht erkennbar. Auch hier ist eine frühe Lungenfunktionskontrolle hilfreich, um rechtzeitig eine Behandlung sicherzustellen, die durch moderne Medikamente sehr hilfreich ist.
    Bei COPD, einer Verengung der Bronchien, ist auch bei rechtzeitiger Behandlung zwar keine Heilung möglich, wohl aber kann ein fortschreiten der Erkrankung zum Teil verhindert werden. Auch bei COPD ist eine Lungenfunktionskontrolle wertvoll, um den Status des Erkrankten erkennen und behandeln zu können.
    Ein interessanter Abend, um zu verstehen, wie es bei uns „drinnen“ ausschaut! Danke

  • Besuch der Walzengravieranstalt

    Exkursion in die Walzengravieranstalt Guntramsdorf
    60aufwärts geht auch auf Reisen um die Umwelt zu erkunden:
    Tatort Walzengravieranstalt in Guntramsdorf.
    Eine ausgediente, heute nicht mehr benötigte Produktionsstätte,
    in der von Hand Stahlzylinder zum Bedrucken von Stoff, Papier,
    Metallfolien, Kunststoff und Glas zwischen 1911 und 1986
    hergestellt wurden. Dann wurde die kleine Werkstatt geschlossen,
    musste der modernen Technik von Fotogravur und Laserstrahltechnik
    weichen.
    1987 wurde ein Verein zum Erhalt der Walzengravieranstalt gegründet
    der mit Hilfe von Sponsoren den kleinen Betrieb mit 250 Quadratmetern
    der Öffentlichkeit zugänglich hält.
    Wir erhielten eine Führung durch Frau Breu vom Vorstand des Vereines
    und konnten anhand eines Filmes, in dem auch Interviews mit ehemaligen
    Mitarbeitern vorkamen, Einblick in die Arbeitsweise des Betriebes erhalten.
    Besonders interessant war die Anlage insofern, da sie mit Hilfe einer
    Transmission betrieben wurde, also durch eine Antriebswelle über den
    Köpfen der Arbeiter, durch die die einzelnen Maschinen mit Treibriemen
    in Bewegung gehalten wurden.
    Der menschliche Erfindungsreichtum wurde uns durch dieses kleine
    Museum sehr eindringlich vor Augen geführt!
    Dank zahlreicher interessierter Menschen wurde dieses wichtige
    Zeugnis früherer industrieller Arbeit nicht zerstört, sondern erhalten.

  • Münchendorf im Wandel der Zeit

    Am Samstag, dem 24. Mai 2025 hat sich Altbürgermeister Josef Ehrenberger auf Einladung des Vereins 60aufwärts und auf vielfachen Wunsch auf einen weiteren Rundgang in Münchendorf begeben. Bereits im Herbst 2024 war diese Veranstaltung sehr gut besucht und für diese zweite Auflage haben sich wieder etwa 70 Münchendorfer und Münchendorferinnen jeden Alters eingefunden – sogar der derzeit älteste Münchendorf war anwesend! Josef Ehrenberger hat auch diesmal mit seinen profunden Kenntnissen der Ortsgeschichte viele Details zur Entwicklung erzählt. Der Start war beim Pfarrstadel und das Ziel sollte die Trumauerstraße sein. Erste Station war bei der Pestsäule und vor dem Kriegerdenkmal bei der Alten Volksschule. Hier gab es viele Details zur Entstehungsgeschichte der Pestsäule, die diversen Restaurierungen und Veränderungen im Laufe der Zeit. Interessantes Detail: Hinter der Pestsäule steht eine Steintafel, in der eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1996, der 1000-Jahrfeier Österreichs, verborgen ist. Viele weitere Details gab es zu den Gebäuden rund um den Kirchenplatz, wo es früher unter anderem ein Gasthaus gab, einen Trafikstand und zu anderen Veränderungen in der Hauptstraße, wo heute das Haus Nr. 33 steht. Dazu gehört auch die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr, die hier am Kirchenplatz untergebracht war und natürlich das Badergassl. Dann ging es Richtung Hauptstraße 25. Bei dieser Station gab es viele weitere Geschichten über ehemalige Heurigen, Gasthäuser und Einkaufsmöglichkeiten, wie etwa Bäcker und den Konsum, natürlich bereichert mit persönlichen Erlebnissen unseres Altbürgermeisters und einiger Teilnehmer. Mit Informationen, welche Ärzte in welchen Gebäuden ehemals untergebracht waren, ging dieser Rundgang zu Ende. Das Interesse war groß und da es noch viele weitere Geschichten aus dem Ober- und Unterdorf, zum Kirchenplatz und dem Pfarrstadel zu erzählen gibt, haben wir mit Josef Ehrenberger ausgemacht, einen weiteren Rundgang für 2026 zu planen.